Eine Winterwanderung aus Anlass des 275. Jahrestages der Schlacht

So wie in den vergangenen 18 Jahren werde ich auch in diesem Jahr am Sonntag, den 13. Dezember 2020 ab 13:00 Uhr von Steinbach aus über das Schlachtfeld wandern. Ein Schlachtplan befinde sich am Endes der Beschreibung und eine Einschätzung vom sächsischen General von Jasmund, warum die Schlacht  verloren wurde.

 

 

Die Schlacht bei Kesselsdorf am 15. Dezember 1745

 

 Vorwort

 Es ist ein sehr interessantes Erlebnis nach 275 Jahren das Schlachtfeld bei Kesselsdorf aufzusuchen und darüber zu wandern, um sich an historischer Stelle einen Eindruck über die Strategie und Taktik der damaligen Kriegführung zu gewinnen. Eine Wanderung sollte in den Wintermonaten durchgeführt werden, am Besten in der Zeit um den 15. Dezember. Dadurch kann der Wanderer nachvollziehen, unter welchen Witterungsbedingungen die Soldaten in den Tagen vor und nach der Schlacht gelitten haben. In der Literatur sind dazu kaum Angaben vorhanden. In einigen Berichten wird vermerkt, dass auf der Elbe Eisschollen trieben. Es kann davon ausgegangen werden, dass um den 15. Dezember 1745 Dauerfrost herrschte und ein eisiger Ostwind wehte. Der Boden war an den Stellen, wo die Bauern und Bergarbeiter die Massengräber ausgehoben haben, bis zu 30 cm gefroren.

 

Die Länge der Wanderung beträgt ca.8 km. Es sollten 2 bis 3 Stunden ohne Pause eingeplant werden. Die Wanderstrecke führt ausschließlich über befestigte Wege und Straße.

 

 Historischer Rückblick

Im Vorfeld der Schlesischen Kriege spitzten sich Anfang des 18. Jahrhunderts die politischen und vor allem die ökonomischen Widersprüche zwischen den europäischen Staaten zu.

Besonders England und Frankreich kämpften um die Vormachtstellung in Europa und um Besitzungen in Nordamerika und Indien.

 Der preußische König „Friedrich Wilhelm I.“ wollte durch die Vergrößerung seines Landes größeren politischen und ökonomischen Einfluss in Europa gewinnen. Der Kurfürst von Sachsen, „Friedrich August III.“, hatte nach dem Polnischen Erbfolgekrieg (1733 – 1735) die Polnische Königskrone erkämpft. Graf Brühl beabsichtigte durch die Einverleibung von Niederschlesien ein „Landbrücke“ zwischen Sachsen und Polen zu schaffen.

Österreich war bemüht die Vormachtstellung des Hauses Habsburg und damit des Deutschen Kaisers zu wahren und seine weit verstreuten Länder, gegen Frankreich und Bayern, zu schützen.

Zu diesem Zweck hatte der Deutsche Kaiser „Karl VI.“ am 19.April 1713 die so genannten „Pragmatischen Sanktionen“ erlassen. Diese beinhalteten, dass seine Tochter Maria Theresia anerkannte Nachfolgerin auf dem Thron der Habsburger wird und deren Ehemann Deutscher Kaiser.

Dieses Gesetz hatten bis 1738 alle europäischen Herrscher, nach entsprechender Gegenleistung des Kaisers, anerkannt.

 Im Jahre 1740 kam es aber zu zwei unvorhergesehen Ereignissen, „Friedrich Wilhelm I.“ starb am 31.Mai 1740 und „Friedrich II.“ wurde König in Preußen und kurz danach, am 20. Oktober 1740, starb der Deutsche Kaiser “Karl VI“. Der junge Preußenkönig reagierte sofort auf dieses Ereignis und forderte von Maria Theresia auf der Grundlage von sehr alten Erbschaftsansprüchen die schlesischen Herzogtümer Liegnitz, Brieg und Wollau.

 

Während die anderen europäischen Herrscher noch über Koalitionen und Bündnisse nachdachten, marschierte Friedrich am 16. Dezember 1740 unter wehenden Fahnen in Schlesien ein. Damit begann der 1. Schlesische Krieg. Nach den Schlachten bei  Mollwitz am 10.04.1741 und bei Cotusitz am 17.05.1742, schlossen Preußen und Österreich den Frieden zu Breslau, in dem Friedrich der Besitz von Nieder – und Oberschlesiens und die Grafschaft Glatz zugesichert wurde.

Der Österreichische Erbfolgekrieg (1741- 1748) zwischen Frankreich/Bayern und Österreich ging aber weiter.

 

Anfang 1744 wurden die französisch- bayrischen Truppen stark bedrängt. Friedrich kam ihnen zu Hilfe, in dem er im August 1744 mit starken Kräften in Böhmen und Mähren einmarschierte. Damit begann der 2. Schlesische Krieg (1744-1745).

Österreich musste Truppen vom Rhein abziehen und zum Schutz der  Erblande nach Böhmen verlegen. Dadurch wurden die französisch-bayrischen Truppen entlastet. Friedrich hatte sich aber mit dem Feldzug verrechnet, er versuchte die Österreicher zu einer Schlacht zu zwingen, diese wichen aber geschickt aus und begnügten sich mit der Störung der Versorgungswege der Preußen. Die Verluste der Preußen durch Hunger, Krankheit und Fahnenflucht war so groß, dass Friedrich gezwungen wurde, sich Ende 1744 nach Schlesien zurückzuziehen.

 

Sachsen stellte sich Ende 1744 vollständig auf die Seite von Österreich. Nach einem Sieg über Preußen sollte Sachsen Gebiete von Niederschlesien und damit die lang ersehnte Landverbindung nach Polen erhalten. Noch im Dezember 1744 vereinigten sich 20 000 sächsische Soldaten mit österreichischen Truppen in Böhmen.

 

Am 04. Juni 1745 kam es bei Hohenfriedeberg zu einer der größten Schlachten der Schlesischen Kriege. Die Österreicher und Sachsen wurden von Friedrich vernichtend geschlagen. Trotz dieser Niederlage vereinbarten Österreich und Sachsen Ende August 1745 in einem Geheimvertrag den Krieg gegen Preußen fortzusetzen. Noch vor Jahresende sollte die Mark Brandenburg und Berlin besetzt werden.

Am 30.09.1745 kam es bei Soor zu einem Zusammentreffen zwischen Preußen und Österreichern, wo Friedrich die Oberhand behielt.

Nach den damaligen Gepflogenheiten begaben sich die Heere im späten Herbst in die Winterquartiere, da die Versorgung der Truppen und sehr schwierig war.

 

Am 11. November 1745 erfuhr Friedrich den Inhalt des Geheimvertrages zwischen Sachsen und Österreich vom August 1745.

Sofort ergriff er Gegenmaßnahmen. Der „Alte Dessauer“ erhielt den Befehl bei Halle 20.000 Mann zusammen zu ziehen.

Friedrich begab sich sofort zum Hauptheer nach Schlesien. Der Befehl Friedrichs an den „Alten Dessauer“ lautete klar und eindeutig, wenn die Österreicher den Boden Sachsen betreten, sollte er sofort nach Dresden marschieren und die Sachsen angreifen.

Am 23. Oktober kam es bei Katholisch – Hennersdorf zum ersten Gefecht auf dem Territorium Sachsens. Husarengeneral Zieten griff die sächsische Vorhut (3000 Mann) der österreichischen Armee unter Prinz Karl von Lothringen an und zerschlug sie. Prinz Karl kehrte mit den österreichischen Truppen sofort nach Böhmen zurück.

 

Doch man beschloss den Krieg gegen Preußen weiter zu führen. Prinz Karl erhielt Befehl nach Dresden zu marschieren und sich dort mit den sächsischen Truppen zu vereinen. Danach sollte Friedrich angegriffen werden.

Trotz der klaren Befehle Friedrichs an den „Alten Dessauer“, „den Sachsen auf den Hals zu gehen“, setzt er sich nur sehr langsam in Bewegung.

Friedrich richtete mehrfach scharfe Worte an den „Alten Dessauer“ sich schneller in Richtung Dresden zu bewegen.

Friedrich befahl den „Alten Dessauer“ mehrfach die Sachsen unbedingt vor dem 15. Dezember anzugreifen und zu schlagen.

Nach der Vereinigung des „Alten Dessauers“ mit General Lehwald bei Meißen, war das preußische Heer über 30 000 Mann stark und verfügt über 33 Kanonen.

Hinter dem Zschonergrund standen ab dem 14.Dezember 25 000 Sachsen und 6000 Österreicher, in klirrender Kälte, ohne Verpflegung und mit verschlissenen Zelten.

Am Morgen des 15. Dezember brachen die Preußen in der Nähe von Meißen auf und marschierten in 4 Marschsäulen auf Kesselsdorf zu.

 

Um 12:00 Uhr des  15. Dezember 1745 fuhren die ersten preußischen Kanonen am Lerchenbusch auf und begannen sofort auf die am Ortsausgang von Kesselsdorf aufgestellte „Große Batterie“ zu feuern. Im Stab vom Generalfeldmarschall von Rutowsky war man aber der Meinung, dass die Preußen an diesem Tag nicht mehr angreifen werden.

Um 14:00 Uhr wurde diese eines besseren belehrt. Der „Alte Dessauer“ gab den Grenadierbataillonen Münchow, Ploto und Kleist den Befehl, die am Ortsausgang aufgestellte „Große Batterie“, die mit 14 schweren und 6 leichten Kanonen besetzt war und die dahinter verschanzten 7 sächsisch/österreichischen Grenadierbataillone, anzugreifen.

 

Es begann die Schlacht bei Kesselsdorf.

 An diesen Punkt wollen wir uns auf das Schlachtfeld begeben und vor Ort erfahren wie die Schlacht verlaufen ist.

 Die Wanderung beginnt, an dem dafür sehr günstigen Ausgangspunkt, am Gasthof „Schützenhaus“ in Steinbach.
Als erstes schaut man vom Parkplatz aus in Richtung Unkersdorf, auf der Anhöhe in ca. 50 m fuhren die Preußen in der Mittagszeit des 15.12., 9 schwere 12 Pfund Kanonen auf (1 preußisches Pfund = 460 g, eine Kugel = 5,5 kg, Kugelkaliber = 11,4 cm). Diese beschossen die auf der Höhe vor Pennrich und hinter dem Dorf Zöllmen aufgestellten sächsisch/österreichischen Truppen.

Wir wenden uns aber in die andere Richtung und begeben uns zu dem „Drei Häuser Weg“ und dann in Richtung Kaufbach. Nach einigen Metern erreichen wir die  „Alten Nossener Poststraße“. Erschrecken sie nicht, sie werden am letzen Einfamilienhaus von einem wachsamen Hund begrüßt!

Dieser Weg ist fast noch im dem Zustand wie zur Zeit der Schlacht. Die Poststraße benutzten damals Fuhrwerke und Postkutschen, die bis zu 3 Tonnen transportieren konnten. Auf der Straße wurden aber auch Kanonen mit einem Gewicht von 2 bis 5 Tonnen transportiert. Eine ungeheure Leistung für Menschen und Tier.

Nach ca. 400 Meter treten wir aus dem Tal heraus und können jetzt einen Teil des Schlachtfeldes überblicken.

 

Wenn wir uns in die Zeit des 15. Dezember 1745, zwischen 10:00 und 11:00 Uhr, zurückversetzen, befinden wir uns direkt im Aufmarsch der preußischen Truppen. Auf der rechten Seite des Weges marschierte der linke Infanterie- und Kavallerieflügel der Preußen auf.

Wir schauen in Richtung Steinbach zurück und sehen am Horizont, in ca. 2 km Entfernung, die Stellung der Sachsen und Österreicher.

Ganz links, wo die Einfamilienhäuser zu erkennen sind, befindet sich die Höhe von Pennich. Dort stand der rechte sächsisch/österreichische Infanterie- und Kavallerieflügel.

 Das Zentrum der Schlachtaufstellung begann am Autobahnzubringer und zog sich in Richtung des großen Erdwalls bis zu den ersten Gebäuden hin. Dort wo der Häusern hinter dem Erdwall zu erkennen sind, befindet sich der Wüsteberg, auf dem die Sachsen 9 schwere Kanonen aufgestellt hatten. Weiter rechts sehen wir zwei große Windräder. In dieser Richtung befand sich in etwa die „Große Batterie“.

Noch weiter rechts erkennt man die Pappelallee der Grumbacher Straße. Ungefähr in der Mitte der Allee zogen um die Mittagzeit des 15. 12. -  7 preußische Kavallerieregimenter mit insgesamt 284 Offizieren, 420 Unteroffiziere und 4620 Reiter auf. Wo die beiden Windräder zu sehen sind, befanden sich die zwei preußischen Husarenregimenter mit 72 Offizieren, 160 Unteroffiziere und 2040 Husaren.

 

Wir drehen Kesselsdorf den Rücken zu und sehen vor uns leicht links den „Steinhübel“. Von dieser Höhe aus beobachtete der „Alten Dessauer“, gegen 11:00 Uhr die Aufstellung der sächsischen Armee.

Er erkannte, dass die Sachsen am Ausgang des Dorfes eine „Große Batterie“ aufgebaut hatten und der

Dorfeingang mit mehreren Grenadierbataillonen besetzt war. Nach seiner Meinung hing der Sieg der Schlacht von der Erstürmung dieser ab.

Schnell ritt er zum Lerchenbusch, wo die Preußen 9 - 12-Pfund Kanonen aufgefahren hatten, die sofort mit dem Beschuss der „Großen Batterie“ bannen, die Sachsen erwiderten die Grüße.

 

Es war 12:00 Uhr.

Weiter geht es auf der „Alten Nossener Poststraße“ bis zur Starkstromleitung.

Wir haben jetzt den höchsten Punkt in der preußischen Aufstellung erreicht. In Richtung Kesselsdorf, wo das Dorfeingangsschild zu sehen ist, fuhr damals eine preußische 12-Pfund Batterie auf und wurde zwischen dem Kessel –und Brückelgrund in Stellung gebracht. Diese Batterie beschoss die sächsische Stellung am Wüsteberg. Von unserem jetzigen Standpunkt bis zum Wüsteberg sind es 2 km. Die 12-Pfund Kanonen schossen damals im Bogenschuss bis zu 4 km weit.

 

Vor der Starkstromleitung marschierten 9 Regimenter des 1. Treffens und dahinter im Abstand von 200 m

5 Regimenter des II. Treffens auf.

 

Jedes Regiment (Sollbestand 50 Offiziere, 118 Interoffiziere und 1140 Musketiere) bestand aus zwei Bataillonen. Außer dem Regiment des „Alten Dessauers“ welches 3 Bataillone hatte. Die Bataillone marschierten zur Schlacht jeweils zu 8 Peletons auf, jedes Peleton hat 24 Rotten zu je 3 Soldaten, insgesamt 576 Soldaten. Die Breite eines Peletons betrug ca. 20 m. Zwischen den Bataillonen wurde für die zwei 3 oder 6-Pfund-Bataillonskanonen (Geschoßgewicht = 1,37/2,7 kg, Kugelkaliber 7,5 / 9,04 cm) 30 m Abstand gehalten. Von den 8 Peletons schossen immer zwei, zwei luden, zwei marschierten fünf Schritt vorwärts und zwei hielten sich in Reserve. So waren ständig 144 Kugeln eines Bataillons in der Luft. Geschossen wurde erst ab 400 bis 600 Meter vor dem Feind. Die größte Trefferwirkung erreichten die Peletons ab 100 m.

 

 Von unserem Punkt aus sehen wir die Wilsdruffer Straße, rechts vom Gewerbegebiet, dort wo die Autos von Wilsdruff kommend in einer Talsenke verschwinden befand sich der Aufmarschbereich der preußischen Grenadierbataillone Kleist, Ploto und Münchow, der 3 Bataillone des Infanterieregimentes des „Alten Dessauers“ und dahinter das Dragonerregiment Bonin (dazu aber später).

 

Wir gehen weiter bis zum Abzweig  Unkersdorfer Straße. In die wir links einbiegen.

 Rechts von dieser Straße marschierten die Regimenter Jeetze, Leps und auf der anderen Seite der Straße die anderen Regimenter der Preußen.

Am Dorfrand von Kesselsdorf (auf der Karte des Schlachtplans ersichtlich) haben sich die sächsischen Chevauleger Regiment (Husaren) in einer Gesamtstärke von 2263 Reitern aufgestellt (nach Schuster/Franke betrug die Sollstärke eines Chevauleger Regiments um 1744 = 754 Reiter)

Am Dorfeingangsschild von Kesselsdorf überschreiten wir den Kesselbach, hier kann man erkennen, welche Probleme die preußischen Kanoniere hatten, ihre Kanonen über den Bach und durch das Gelände zu transportieren.

Weiter geht es auf der Straße. Auf halber Höhe blicken wir zurück und können die Starkstromleitung erkennen wo die Preußen aufmarschiert waren.

Über den kleinen Hügel gelangt man in den Bückelgrund, an der Brücke kann man links und rechts sehen, wie das Gelände damals etwa ausgesehen hat. Das Regiment Jeetze marschierte auf dem Weg zum Angriff auf die „Große Batterie“ gerade aus, direkt in Richtung der vorhandenen Straße, die direkt auf den Oberen Gasthof trifft.

Ca. 50 m nach der Brücke, geht nach rechts ein Fußweg ab, dieser führt nach ca. 450 m auf die Wilsdruffer Straße, genau an dem Punkt wo sich die Preußen zum Angriff auf die „Große Batterie“ aufgestellt hatten.

 

Auf dem Feld direkt gegenüber der Straße marschierten 1512 Grenadiere der preußischen Grenadierbataillone Kleist, Plotho und Münchow auf und dahinter 1728 Soldaten des Regimentes des „Alten Dessauers“. Als III. Treffen schlossen sich die 660 Bonin – Dragoner an.

Schaut man in Richtung Kesselsdorf steht in ca. 400 m ein großes gelbes Hinweisschild. Dort standen in einem Halbkreis von ca. 100 m die 14 schweren und 6 leichten Kanonen der Sachsen und feuerten auf die anmarschierenden Preußen.

Von der Bodenwelle (damals der Lerchenbusch) bis zur Höhe links lagen viele gefallene oder verwundete Preußen, oft in kleinen Haufen übereinander, wenn eine Vollkugel gleich die ganze Rotte niedergemäht hat.

Die preußischen 6 Pfund Bataillonskanonen wurden auf der kleinen Bodenerhebung links von unserem Standplatz aufgefahren.

Es geht vorsichtig weiter auf der Straße in Richtung Kesselsdorf. Ab der Höhe, wo links das Gebäude von Bo-Frost steht, wurden die Preußen mit Kartätschen beschossen. Ab der Shell Tankstelle bis 50 m vor der „Großen Batterie“ lagen tote und verwundete Preußen wie gesät.

 

Als die preußischen Grenadiere ca. 100 m vor der Batterie angelangt waren, haben sich die sächsischen Kanoniere zurückgezogen und Schutz bei den am Dorfrand verschanzten sächsischen/österreichischen Grenadieren gesucht.

In diesem Augenblick ging ein mörderischer Geschosshagel auf die Preußen nieder. Diese bewegten sich noch ein paar Meter vorwärts, dann brach aber das I. Treffen zusammen, die Grenadiere flohen hinter einen kleinen Hügel, wo sich heute der Hubschrauberlandeplatz befindet. Auch die Soldaten des „Alten Dessauers“ hatten hohe Verluste, vor dem Dorfrand brach auch das II. Treffen zusammen.

 

Auf dem Feld vor der „Großen Batterie“ lagen 585 tote und 905 verwundete preußische Soldaten und Offiziere.

 

In dieser Situation rief der General der Artillerie von Wilster, den Grenadieren des sächsischen Grenadierbataillons Gfug und des österreichischen Grenadierbataillons Le Fee zu, „avancieren, Herren Grenadiere, die Preußen sind geschlagen“. Tatsächlich verließen die Grenadiere den sicheren Verhau und gingen bis zur „Großen Batterie“ vor. Aber nicht genug, Wilster führte die Grenadiere weiter vor, weil er die preußischen Bataillonskanonen erobern wollte. Die Grenadiere stürmten Wilster hinterher bis zur Höhe der Shell-Tankstelle. Schon fingen einige an, die toten und verwundeten Preußen zu plündern.

 

Der „Alte Dessauer“ befahl dem Kommandeur der Bonin - Dragoner Major von Lüderitz anzugreifen. Die Dragoner ritten unbemerkt an die plündernden Grenadiere heran. Mit einer wuchtigen Attacke brachen Sie in die Reihen der Sachsen und Österreicher ein und schlugen viele nieder. Die sächsischen Kanoniere in zwischen zu ihren Kanonen zurückgekehrt, konnten jedoch nicht schießen, da sich die eigenen Leute direkt vor den Kanonen befanden.

 

Der kommandierende General der Grenadiere, General von Allnpeck, befand sich zu diesem Zeitpunkt bei einem anderen Grenadierbataillon.

 

Als er erschrocken sah, wie die zwei Grenadierbataillone vorstürmen, zog er die sächsischen Grenadierbataillone Brügge, Ütterodt und Gersdorf vor, um die Flanke der vorgerückten Grenadierbataillone gegen die preußischen Kavallerieregimenter des rechten Flügels zu decken.

 

Der Chef des rechten preußischen Kavallerieflügels, Graf Geßler, hatte vom Schreiberberg (wo ungefähr die Windräder standen) die Entwicklung an der „Großen Batterie“ verfolgt und erkannt, dass die Zeit gekommen war, die sächsischen Grenadiere zu attackieren. Einzelne Peletons konnten noch Salven abbrennen Doch die preußischen Kavallerieregimente rückten weiter vor. Die sächsischen Grenadiere wankten und wichen in Richtung der heutigen Christian – Klengel - Straße zurück.

 

Die so Zurückgetriebenen flohen. Die beiden preußischen Husarenregimenter durchritten den Steinleitengrund und jagten in die Flanke der zurückflutenden Grenadiere.

 

In dem Zeitpunkt als die preußischen Dragoner auf die sächsischen und österreichischen Grenadiere einhauten und die sächsischen Kanoniere am Schießen hinderten, griff das Regiment Jeetze die rechte Flanke der „Großen Batterie“ an. Die Kanoniere konnten noch ein paar Kartätschensalven abfeuern, dann mussten diese dem gezielten Peletonfeuer der Preußen weichen.

Zuerst flohen die Trossknechte und rissen die Kanoniere mit. In wilder Flucht ging es auf der Christian - Klengel -Straße in Richtung Kirche und durch Kesselsdorf in Richtung Freital.

Als die sächsischen und österreichischen Grenadiere über die „Große Batterie“ hinaus stürmten und der Eindruck entstand, die Preußen sind geschlagen, erkundet Graf Moritz - Chef der Karl – Chevauleger, den Brückelgrund am Unkersdorfer Weg.

Dort war der rechte Infanterieflügel der Preußen angelangt musste aber anhalten, weil die 6-Pfund Kanonen im Bach stecken geblieben waren.

 

Schybilski ritt zum General Arnstedt und wollte die Genehmigung einholen, die Stellung der Preußen am Lerchenbusch anzugreifen. Als er zurückkam, hatten die Preußen bereits die „Große Batterie“ gestürmt und begannen sich im Rücken der Chevauleger Regimenter zu entfalten.

 

Sybilski griff trotzdem mit den drei Chevauleger Regimentern die Kanonen der Preußen an. Der Angriff wurde mit Kartätschen zusammen geschossen, die Reiter flohen in Richtung Wüsteberg und ritten sich gegenseitig nieder.

 

Vorsichtig gehen wir am Rand der Wilsdruffer Straße in Richtung „Oberer Gasthof“. Hier, etwa im Hof, standen in einem Halbkreis die Kanonen der „Große Batterie“. Überall lagen tote und verwundete Soldaten.

Auf der anderen Straßenseite befindet sich ein Denkmal welches an die Schlacht erinnert.

Jedes Jahr, am 15.12., gedenkt der Schützenverein „Kesselsdorf 15.12.1745“ den in der Schlacht gefallenen Soldaten mit einem Ehrensalut.

In Richtung der Christian – Klengel- Straße drangen die noch einsatzfähigen Preußen, ca. 2970 Mann, den fliehenden Sachsen und Österreichern nach. Was sich nicht sofort ergab wurde niedergemacht. Einzelne Häuser von Kesselsdorf gingen in Flammen auf.

Schnell waren die Preußen durch Kesselsdorf durch und sammelten sich oberhalb und unterhalb der Kirche, am anderen Ausgang des Dorfes.

 

Weiter ging es entlang der Christian - Klengel -Straße.

 

Nach ca. 400 m erreicht man die Alten Schule von Kesselsdorf (bei der Freiwilligen Feuerwehr), in der sich die Heimatstube Kesselsdorf, mit einer Ausstellung zur Schlacht befindet. Öffnungszeiten Samstag 14:00 Uhr bis 16:00 Uhr oder nach Vereinbarung, Tel. (035204) 40798.

 

Von der Alten Schule aus sehen wir schon die Kirche von Kesselsdorf. Die alte Kirchhofmauer ist noch vorhanden, hinter dieser hatte sich das Bataillon Pirch heldenhaft verteidigt. Die Reste des Bataillons wurden aber von den flüchtenden Grenadieren und Trossknechten mit in den Steinleitengrund gerissen.

 

Überall schwärmte die preußische Kavallerie und machten Gefangene. Wer sich nicht ergab und wehrte wurde niedergehauen.

 

Auf der Christian – Klengel - Straße geht es weiter in Richtung der Straße des Friedens. Dann rechts ab in Richtung Kesselsdorfer Straße. Wenn man sich nach 200 m umdreht und zurückblickt, kann man auf der Höhe links neben der Kirche die Stelle erkennen, wo die Preußen zwei erbeutete sächsische Kanonen auffuhren und die sächsische Stellung auf der Höhe 289 beschossen haben.

 

An der Ecke Kesseldorfer Straße/„Am Wüsteberg“ stehen links zwei Einfamilienhäuser (grün und rosa). Das ist die Höhe 289, dort hatten die Sachsen eine Batterie mit 6 leichten Kanonen aufgestellt

 

Mit großer Aufmerksamkeit wechseln wir auf die andere Straßenseite der Kesselsdorfer Straße.

 Nach ca. 200 m, an der Stelle wo die Kesselsdorfer Straße scharf nach links abbiegt, befindet sich rechts der Wüsteberg.

Wenn man sich umdreht steht in ca. 500 m Entfernung ein Strommast, von hier aus nur zur Hälfte zu sehen. In diesem Bereich hatten sich ca. 2300 Preußen gesammelt und formierten sich mit preußischer Kavallerie zum Angriff in den Rücken der Sachsen.

Weiter geht es entlang der Straße „An der Kümmelschänke“ bis zum Erdwall. Hier stand die sächsische Kavallerie, davor das II. Treffen und kurz vor dem Wall, das I. Treffen der Sachsen.

Am Erdwall geht es links vorbei. Wo die Kleingärten aufhören erhebt sich links der Wüsteberg, wo 8 sächsische 12-Pfund Kanonen standen.

 

Von dem Strommast aus hat man einen sehr guten Überblick auf das gesamte Schlachtfeld.

 

Deutlich erkennt man die Starkstromleitung in Richtung Steinbach, wo die Preußen aufmarschiert sind. Die Ausdehnung der sächsisch/österreichischen Aufstellung ist gut zu überblicken.

Auf dem vor uns liegenden Feld trafen um ca. 16:00 Uhr die Preußen und Sachsen frontal aufeinander.

Rechts hinter der Autobahn befindet sich das Jammertal.

Bei der Bushaltestelle überqueren wir die Kesselsdorfer Straße und gehen auf dem Landwirtschaftsweg in Richtung Autobahnbrücke.

An dieser Stelle befinden wir uns auf dem Teil des Schlachtfeldes wo die blutigsten und verlustreichsten Kämpfe ausgetragen wurden.

 

Auf dem Weg zur Autobahnbrücke erkennt man linker Hand einen tiefen Geländeeinschnitt. Die Preußen konnten dieses Hindernis aber ohne Störung überwinden, sich dann neu formieren und die Sachsen angreifen.

 

In diesem Bereich wurden nach der Schlacht große Gruben ausgehoben und die Gefallen bestattet.

 

Als der linke Flügel der Sachsen zurückwich, stand der rechte Flügel auf der Höhe vor Pennrich noch in geschlossener Gefechtsformation. Eigentlich war vorgesehen, die Dörfer Steinbach und Zöllmen mit jeweils 500 Warsdienern zu besetzen. Diese standen aber aus ungeklärten Gründen bei den Dörfern Merbitz und Kemnitz.

 

Als Rutowsky diesen Fehler bemerkte, befahl er Pierch das Dorf Zöllmen mit 300 Soldaten zu besetzen. Die Preußen waren aber schneller und hatten den Zschonergrund überwunden und Zöllmen besetzt.

 

Fünf preußische Regimenter formierten sich und griffen den rechten Flügel der Sachsen und Österreicher an.

 

Aus einer gedeckten Stellung in Zöllmen feuerten die preußischen Grenadiere des Grenadierbataillons Schönig auf die Sachsen und Österreicher. Die nachrückenden Preußen konnten sich in Peletons formieren und zum Angriff übergehen.

 

Die Wucht des Angriffes zwang auch den rechten Flügel der Sachsen und Österreicher zum zurückgehen. Alle strömten nach Dresden zurück.

 

Von der Autobahnbrücke aus kann man sehen, wie steil der Abhang von Steinbach hin zum Zschonergrund abfällt und nach Zöllmen ansteigt. Die Preußen hatten große Probleme dieses Gelände zu überwinden.

 

Bei der Betrachtung der strategischen Lage der Dörfer wird klar, warum die Nichtbesetzung der Dörfer durch die Warsdiener ein Hauptgrund der Niederlage war.

 

Kurz vor der Brücke über den Zschonerbach liegt rechter Hand das Jammertal. Dort ist der linke preußische Infanterieflügel aufmarschiert.

 

Die Landschaft hat sich seit der Schlacht stark verändert, aber zu beiden Seiten der Straße „An der Kümmelschänke“ kann man noch nachvollziehen, wie die Landschaft damals ausgesehen hat.

 

 In der drei Stunden dauernden Schlacht verloren die Sachsen 10.310 Mann durch Tote, Verwundete und Gefangene, die Preußen 5036 durch Tote und Verwundete.

 

 Die um 17.00 Uhr an der Weißeritzbrücke in Dresden eintreffenden Österreicher konnten nicht mehr in die Schlacht eingreifen.

Prinz Karl schlug vor, die Preußen am 16.12.1745 erneut anzugreifen. Rutowsky lehnte aber ab und befahl den Rückzug.

 

Am nächsten Tag, beglückwünscht Friedrich II. den  „Alten Dessauer“ am Lerchenbusch zum Sieg.

 

Im Friede zu Dresden wurde Preußen der Besitz Schlesiens bestätigt. Sachsen musste 1 Million Taler als Kriegsentschädigung zahlen. Viele sächsische Soldaten wurden in die preußische Armee verpflichte. Die Preußen zogen bereits am 25. Dezember aus Sachsen ab.

Das Leid der Bevölkerung und der Schaden in den betroffen Dörfer waren unbeschreiblich. Überall waren die Gehöfte geplündert und alles was nur möglich war von den abziehenden Truppen mitgenommen. Nach späteren Berechnungen betrugen die Kriegsschäden in den umliegenden Ortschaften 174 378 Taler

 

Der monatliche Lohn eines Soldaten betrug damals 2 Taler, 0,5 Liter Bier kosteten 3 Pfennige (1 Taler = 24 Groschen oder 288 Pfennige. Nach der heutigen Kaufkraft hatte der Taler damals einen Wert von ca. 50 € bis 60 €)

 

Kesselsdorf und Sachsen hatten nun 11 Jahre „Ruhe“, im Oktober 1756 kam Friedrich wieder und es begann der „7jährige Krieg“.

 

Manfred Buder

 

Ausschnitt des Schlachtplanes aus Unterlagen zum  Vortrag von Lindenau /  Berlin 1904