Die Sächsische Armee in den Befreiungskriegen 1812 bis 1818

 (Zusammenfassung aus dem Buch „Geschichte der Sächsischen Armee“ von O. Schuster und F.U. Franke/ Leipzig 1885)

 

1. Teil

 Der Russlandfeldzuges Napoleons und das Schicksal sächsischer Truppen

 

Am 22. Juni 1812 erklärte Napoleon Russland den Krieg und marschierte mit weit über

 500 000 Soldaten aus vielen Staaten Europas in die Weiten Russlands ein. Darunter befanden sich auch 21 171 sächsische Soldaten und Offiziere, von denen nach dem Krieg etwa 5000 bis 6000 in ihre Heimat zurückgekehrt sind.

 

 Im Frühjahr 1812 befahl Napoleon dem sächsischen König, Soldaten und Offiziere in einer Stärke von zwei Divisionen im Raum Guben zusammenzuziehen und bis Anfang Juni im Gebiet um Warschau für den Krieg gegen Russland zu konzentrieren.

Dies war der Anfang der Tragik sächsischer Truppen im napoleonischen Feldzug vor

 210 Jahren. Unter persönlichen Befehlen von Napoleon wurden die sächsischen Truppen in den Kampf und somit in ihr Schicksal geführt.

 

 Das sächsische Kontingent bildete unter dem französischen Divisionsgeneral Graf Jean Louis Reynier (1771-1814) das 7. Korps der französischen Großen Armee. Mitte Juli 1812 erreichten die zwei sächsischen Divisionen mit ca. 17 000 Mann den Raum Brest-Kobryn- Slonim. Die Verluste bei Märschen, Gefechten und Schlachten waren hoch. So betrugen die sächsischen Verluste alleine in der Schlacht bei Kobryn am 27. Juli 1812 108 Gefallene, 165 Verwundete sowie 76 Offiziere und 2385 Soldaten an Gefangenen, die Hälfte davon ist in der Kriegsgefangenschaft verstorben. Die Schlacht hatten die Russen für sich entschieden.

Im Oktober 1812 betrug die Stärke der beiden sächsischen Divisionen noch 12 282 Mann.

 Mitte Dezember 1812 begann der Rückzug in Richtung Warschau. Es standen noch 9000 Mann unter Waffen, Ende Januar bei Warschau noch 5700 Mann. Am 13. Februar 1813 wurden die sächsischen Divisionen bei Kalisch von russischen Truppen überfallen. Die Verluste betrugen 1000 Mann an Toten, Verwundeten und Gefangenen. Am 4. März 1813 erreichten die Reste der sächsischen Divisionen Bautzen.

Am 27. März 1813 rückten74 Offiziere und 1763 Mann von Dresden in die für neutral erklärte Festung Torgau ab.

 

 Die Reiterbrigade des sächsischen Generals Johann Adolf von Thielmann (1765– 1824) mit über 1400 Kürassieren wurde zum Zentrum der Großen Armee befohlen. Bereits vor der Schlacht bei Borodino, am 7. September 1812, waren von dieser Truppe 370 Kürassiere gefallen oder verwundet. In der Schlacht selbst befahl Napoleon den 1030 Kürassieren der Reiterbrigade Thielmann eine frontale Attacke gegen die stark befestigte Rajewski-Schanze. Die Gegenwehr forderte ihre Opfer. Nach der Schlacht bei Borodino betrug die Stärke dieser Reiterbrigade nur noch 515 Kürassiere. Am 18 Oktober noch 221 Mann und am 25.Oktober noch 62 Mann.

  Nach dem Abzug aus Moskau und den Rückzugsgefechten haben von der Reiterbrigade des Generals von Thielmann, nun noch bestehend aus der Garde du Corps, 7 Offiziere und

 4 Gardisten und vom Kürassierregiment von Zastrow 13 Offiziere und 3 Kürassiere die sächsische Heimat wieder gesehen. Nach dem Krieg wurden noch 43 Kürassiere aus der Kriegsgefangenschaft entlassen. So haben von der Reiterbrigade nur 70 Kürassiere den Russlandfeldzug überlebt.

 Mit der Reiterbrigade Thielmann ist auch die reitende Batterie des Kapitäns Freiherr von Hiller mit sechs Geschützen und etwa 150 Mann bis nach Moskau gezogen.

Die Batterie ist beim Rückzug in den Sümpfen bei Moskau verschwunden.

 

Ähnlich erging es den Chevaulegersregimentern Prinz Albert und Prinz Johann, die mit je 628 Chevaulegers ins Feld gezogen sind. Das Regiment Prinz Albert hat sich nach dem Rückzug aus Moskau, Anfang Oktober 1812, aufgelöst. Der Rest schloss sich Thielmann an.

Nach Sachsen zurückgekehrt sind 14 Offiziere und

12 Chevaulegers. Das Regiment Prinz Johann ist mit 200 Chevaulegers vor dem Übergang über die Beresina, bei Borissow, Ende Oktober 1812 in Gefangenschaft gegangen.

 

Die beiden Infanterieregimenter von Low und von Rechten sind mit je 1600 Soldaten und Offizieren nach Smolensk gezogen und haben im Raum Smoljany-Borissow (an der Beresina) gegen das russische Korps unter Wittgenstein gekämpft. Von diesen beiden Infanterieregimentern sind insgesamt nur 16 Offiziere zurückgekehrt.

 

 

 

Die Sächsische Armee in den Befreiungskriegen 1812 bis 1818

 2. Teil

 Der König von Sachsen bleibt Napoleon treu

 Der sächsische Generalleutnant Adolf von Thielmann (1765–1824), erhielt Ende Februar 1813 vom Sächsischen König Friedrich August I. (1750– 1827) die Order, die für neutral erklärte Festung Torgau als Sammel-, Ausbildungs- und Lazarettplatzplatz für die neu zu formierende sächsische Armee auszubauen. Am 27. März treffen die ersten 1837 Soldaten und Offiziere mit 309 Pferden ein, die kurz zuvor aus dem Russlandfeldzug heimgekehrt sind. Sofort beginnt Thielmann mit der Aufstellung und Ausbildung neuer Infanteriebataillone und Escadrons. Anfang Mai 1813 erreicht die sächsische Armee eine Stärke von  11 500 Soldaten und Offizieren.

 

Am 2. Mai 1813 trafen bei Großgörschen die verbündeten Preußen und Russen mit 80 000 Mann (Verluste 11 500 Mann) auf Teile der neuformierten französischen Armee, 137 000 Mann  (Verluste 22 000 Mann).  Nach dem Sieg Napoleons über die Verbündeten stellte er den König von Sachsen vor die Wahl, entweder kehrt er sofort von  Prag nach Sachsen zurück und gliedert die sächsische Armee in die französische Armee ein oder er, Napoleon, betrachte Sachsen als Feindesland.

 Nach diesem Ultimatum  befahl der König von Sachsen  die Festung Torgau den französischen Truppen zu öffnen und 6000 sächsische Soldaten und Offiziere  in das

 

VII. Korps der französischen Armee einzugliedern. GL Thielmann und sein Generalstabchef Oberstleutnant Aster waren mit dieser Entscheidung nicht einverstanden. Beide reichten beim König ihre Entlassung ein und begaben sich nach Bautzen, um in die russische Armee einzutreten.

 

 Mitte Mai 1813 wurden das III., V. und VII. französische Korps zur „Armee de Berlin“ zusammengefasst und erhielt den Befehl, in die Mark Brandenburg zu marschieren und Berlin zu besetzen. Am 20./21.Mai 1813 kommt es bei Bautzen zu einer weiteren Schlacht zwischen den Verbündeten (90 000 Soldaten/Verluste 15 000 Mann) und Napoleon (190 000 Soldaten/ Verluste 25 000 Mann). Napoleon befahl der „Armee de Berlin“ sofort umzukehren und von Hoyerswerda nach Bautzen zu marschieren und die rechte Flanke der Verbündeten anzugreifen. Das VII. französische Korps konnte nicht mehr in die Schlacht eingreifen, da sich die Verbündeten bereits zurückgezogen hatten.

 

 Auf Anforderung Napoleons wurden Mitte Mai die beiden Kürasierregimenter Leibkürassiergarde  und Zastrowkürassiere  sowie das Husarenregiment und die Clemens Ulanen sowie die  reitende Batterie unter Oberstleutnant von Lessing  dem französischen Reiterkorps unter Latour-Maubourg zugeweisen. Die vier Kavallerieregimenter werden noch am 17. Mai in die Gegend von Bautzen verlegt. Die Kavallerieregimenter sind in der Schlacht nicht zum Einsatz gekommen. Nur die 2. reitende Batterie unter Friedrich Gottlob Probsthayn (1778-1839 in Radeberg) kam gegen eine russische Batterie bei Hochkirch zum Einsatz und erfüllt die gestellten Aufgabe mit großer Bravur, dafür erhielt er das Kreuz der französischen Ehrenlegion.

 

Nach der Schlacht wurde das VII. französische Korps als Vorhut gegen die sich nach Schlesien zurückziehenden Verbündeten eingesetzt. Bei Reichenbach und Markersdorf kam es zu blutigen Gefechten. In den  Gefechten vom 21. bis zum 23. Mai sind  31 sächsische Soldaten und Offiziere gefallen, 508 wurden verwundet.

 

 Das VII. französische Korps verfolgte die Verbündeten weiter bis nach Schweidnitz in Schlesien. Am 4. Juni 1813 trat der Waffenstillstand von Poischwitz in Kraft. Die sächsische Infanterie wurde bei Görlitz und die Kavallerie bei Sagan und Herrenhut konzentriert. Bis zum 10. August1813, nach Ablauf des Waffenstillstandes, wurde die sächsische Armee auf18 000 Mann verstärkt, von denen aber nur 15 000 Mann kampf- und damit einsatzfähig waren.

 

Manfred Buder

 

 

 

Die Sächsische Armee in den Befreiungskriegen 1812 bis 1818

 3. Teil

 Zwischen Waffenstillstand und Völkerschlacht

 

Nach Ablauf des Waffenstillstandes am 10. August 1813 und der Kündigungsfrist bis zum

 17. August 1813  wurden zwei sächsische Divisionen zu je 7 500 Soldaten und eine französische Division mit 8000 Soldaten erneut im VII. französischen Korps zusammengefasst und gemeinsam mit dem IV. und XII. französischen Korps und der3. französischen Kavalleriebrigade, als „Armee de Berlin“ gegen die Nordarmee der Verbündeten zu ziehen und  Berlin zu besetzen.

 

 Zu diesem Zeitpunkt übernahm General von Thielmann ein russisch/deutsches Streifkorps und operierte gemeinsam mit dem österreichischen Streifkorps unter Oberst Mensdorff im sächsisch-thüringischen Raum. Beim Marsch auf Berlin kommt es am 23. August 1813 zur Schlacht bei Großbeeren, wo das VII. französische Korps vom III. preußischen Korps unter Bülow (30 000 Mann) angegriffen und zurückgeschlagen wird. In dieser Schlacht verloren die Sachsen 28 Offiziere und 2096 Soldaten an Toten, Verwundeten und Gefangenen. Die gesamte „Armee de Berlin“ zog sich nach Wittenberg zurück. Am 4. September 1813 übernahm der französische Marschall Ney das Oberkommando über die „Armee de Berlin“ und befahl, erneut in Richtung Berlin zu marschieren. Zwei Tage später trifft Ney bei Dennewitz auf die Nordarmee der Verbündeten. Es entbrennt eine blutige Schlacht. Das VII. französische Korps wird unter großen Verlusten in Richtung Torgau abgedrängt. In der Zeit vom 30. August bis zum 7. September sind 1098 sächsische Soldaten und Offiziere gefallen oder wurden verwundet, über 2000 Mann gingen in Gefangenschaft.

 

 Am 23. September ging die Nachricht ein, dass das Infanteriebataillon „König“, welches bei Oranienbaum auf Vorposten stand, geschlossen zu den Verbündeten übergegangen ist. Nach diesen Verlusten wurden die beiden sächsischen Divisionen neu formiert und geordnet und bestanden nur noch aus 9000 Soldaten und Offizieren, 2230 Pferden und 30 Geschützen. Bis Mitte September blieb die Division bei Dommitzsch stehen. Das VII. französische Korps nahm Anfang Oktober an Kampfhandlungen im Raum Eilenburg/Wurzen/Wittenberg teil, wo es am 12. Oktober die Verbündeten bei Coswig abdrängte.

 

 Vier Tage später entschloss sich Napoleon, die Schlacht bei Leipzig anzunehmen und befahl das VII. französische Korps mit der sächsischen Division in Eilmärschen über Delitzsch nach Leipzig, wo diese am 17. Oktober 1813 bei Paunsdorf eintrafen.

 

 Die Königlich Sächsische Kürassierbrigade (1300 Reiter) wurde bereits Mitte August 1813 der

1. Französische Kavalleriebrigade unterstellt und  am 26./27. August 1813, in der Schlacht bei Dresden, an der rechten Flanke bei Brießnitz/ Gostritz/ Pesterwitz eingesetzt.

 Bei Altfranken sprengte die Kürassierbrigade zwei österreichische Bataillone und nahm diese gefangen.

 

Von der Kürassierbrigade sind 9 Reiter gefallen, 38 wurden verwundet und 25 vermisst.

Anfang September wurde die Kavalleriebrigade nach Görlitz und dann in die Gegend von Großenhain verlegt. Ende September rückte diese nach Leipzig ab und wurde gegen die

Streifkorps der Verbündeten im Raum Eilenburg-Dübener Heide eingesetzt.